Lernen im Netz mit „“Sozialen Lernplattformen“

Michael Kerres von der Universität Duisburg und seine Mitarbeiter haben einen interessanten Artikel zur didaktischen Konzeption von „Sozialen Lernplattformen“ (http://mediendidaktik.uni-duisburg-essen.de/node/6968) veröffentlicht, der mich zum Nachdenken angeregt hat.

Learning Management Systeme (LMS) werden im Regelfall als virtuelle Orte gesehen und genutzt, auf denen organisatorische Hinweise zum Lernen , Lernmedien und Materialien zur Verfügung gestellt werden. Kommunikation über Foren oder Chats wird zwar fast immer angeboten, ist jedoch häufig kein integraler Bestandteil der Lernkonzeption. Oftmals findet die Kommunikation zwischen den Lernern nur bilateral über E-Mails oder zunehmend über Soziale Netzwerke, z.B. Facebook statt. Damit wird eine große Chance vertan, nämlich im Sinne des Konnektivismus Lernen im Netz bzw. in Netzwerken zu ermöglichen.

Ich glaube nicht, dass die zunehmende Akzeptanz sozialer Netzwerke dazu führen wird, dass in absehbarer Zeit LMS überflüssig werden. Unsere Lerner kommen im Regelfall aus einer Lernkultur, die durch ein hohes Maß an Fremdorganisation geprägt ist. Viele sind es nicht gewohnt, sich in einem offenen Netzwerk auszutauschen. Deshalb benötigen wir für online-basiertes Lernen geschützte Lernräume, in denen die Lerner sicher sind, dass ihre Beiträge vertraulich behandelt werden. Nur wenn dies glaubhaft vermittelt wird, besteht eine Chance, den Austausch von Erfahrungswissen, auch negativer Art, zu initiieren. Deshalb geht die Frage, ob wir überhaupt noch LMS benötigen, aus unserer Erfahrung an der Realität vorbei.

„Soziales Lernen“ wird gerade dann ermöglicht, wenn wir diese geschützten Räume bereitstellen. Dabei umfasst „Soziales Lernen“ nach unserem Verständnis ein breites Spektrum, vom gezielten Erlernen sozialen Handelns, z.B. in Rollenspielen oder in Praxisanwendungen, über kooperatives Lernen mit Blogs, Wikis oder in virtuellen Klassenräumen bis zu kollaborativem Lernen in selbst organisierten Communities of Practice, in denen z.B. Erfahrungswissen aus Projekten ausgetauscht wird. Damit werden Lernziele und Lernkonzepte möglich, die im „klassischen“ Lernkontext nicht erreichbar sind. Dazu gehören insbesondere Ziele im Bereich der sozial-kommunikativen Kompetenzen, aber auch alle Lernprozesse, die auf dem Austausch von Erfahrungswissen basieren. Gleichzeitig ist „Soziales Lernen“ die Basis selbstgesteuerter Lernprozesse. Hierbei setzen wir konsequent auf das Tandemprinzip, da Lernpartner die Wahrscheinlichkeit erheblich steigern, diese Lernprozesse erfolgreich zu Ende zu führen.

Es geht also nicht darum, LMS abzuschaffen, sondern ihre Rolle im Rahmen der Lernkonzeptionen in Hinblick auf „Soziales Lernen“ systematisch zu erweitern. Der Austausch der Lerner ist dabei erfahrungsgemäß besonders fruchtbar, wenn sie sich persönlich kennen und verbindliche Vereinbarungen zu Lern- und Transferaufgaben treffen. Deshalb kommt dem Kickoff immer eine besondere Rolle zu. Ohne eine verbindliche Steuerung der Lernprozesse durch die Lerner und die Flankierung durch Lernpartner, unterstützt bei Bedarf durch den Tutor oder einen Coach, ist das Risiko eines „Dropouts“ der selbstgesteuerten Lernprozesse hoch.

Ihr

WS

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