Psychologie und E-Learning

Über das Lernen machen sich viele Wissenschaftsbereiche Gedanken. Gehirnforscher, wie Manfred Spitzer aus Ulm, meinen, dass sie Lernprozesse verstehen, wenn sie Veränderungen im Gehirn analysieren. Auch Psychologen beschäftigen sich intensiv mit dem Lernen. Deshalb gibt es einen eigenen Forschungsbereich der Pädagogischen Psychologie, in dem auch ich promoviert wurde. Damit stellt sich die Frage, was die Psychologie für das Lernen mit elektronischen Medien beitragen kann.

Die Vielfalt der Lerntheorien und Lernempfehlungen in Hinblick auf E-Learning ist kaum überschaubar. Die drei Hauptströmungen Behaviorismus, Kognitivismus und Konstruktivismus sowie der pragmatischen Lernansatz des Konnektivismus bieten wichtige grundsätzliche Ansätze für die Gestaltung von Lernkonzeptionen, ohne spezifisch auf E-Learning einzugehen. Eine große Zahl von Untersuchungen über die Multimedialität, Multicodalität, Multimodalität und Interaktivität von Medien bieten schon eher gezielte Hinweise. Weiterhin gibt es vielfältige Untersuchungen zu verschiedenen Medien, Codierungsformen, Sinnesmodalitäten oder Interaktivitätsgraden. Ausgewählte Theorien zum Thema E-Learning, wie die Cognitive Load Theorie von Sweller und die kognitive Theorie multimedialen Lernens von Mayer, aber auch weitere alternative Modelle, sind von Bedeutung in der aktuellen Diskussion multimedialer Lernkonzepte. Bei der näheren Beschäftigung damit wird leider deutlich, dass diese komplexen Modelle nur wenige konkreten Empfehlungen für die Gestaltung von Lernmedien und innovativen Lrnsystemen bieten.

Als hilfreicher für die Praxis der Lernkonzept-Entwickler empfinde ich dagegen Gestaltungsempfehlungen für E-Learning Umgebungen, wie sie z.B. Günter Daniel Rey in seinem Buch „E-Learning – Theorien, Gestaltungsempfehlungen und Forschung“ (Bern 2009) aufzeigt. Dem Leser werden eine Vielzahl von Gestaltungsempfehlungen für (Hyper-)texte, Bilder, Animationen, Computersimulationen und Problemlösungsaufgaben vorgestellt. Dabei werden auch unterschiedliche Lernereigenschaften berücksichtigt, die Einfluss auf diese Empfehlungen haben.

So wird beispielsweise empfohlen, das visuelle und akustische Arbeitsgedächtnis gleichzeitig zu nutzen. Dagegen sind geschriebene Texte, die parallel mittels Audio vorgetragen werden, für die Lerneffizienz schädlich. Die Menschen besitzen ihre eigene Lesegeschwindigkeit, die im Regelfall nicht mit der Sprechgeschwindigkeit des Audios übereinstimmt. Dadurch entsteht im Gehirn eine Konfusion. Trotzdem finden sich in Lernprogrammen häufig noch Textelemente, die gleichzeitig vorgelesen werden. Dies ist jedoch kontraproduktiv für den Lernerfolg. Audios machen dagegen sehr viel Sinn, wenn Grafiken, Ablaufschemata oder Kennziffern von einem Sprecher erläutert werden, weil dadurch sowohl das visuelle als auch das akustische Arbeitsgedächtnis aktiviert wird.

Ihr

Werner Sauter

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