Social Learning – das Lernen der Zukunft?

Im Zuge der Entwicklung zum Web 2.0 gewinnt Social Learning an Bedeutung.Ist dies nun eine neue, dauerhafte Entwicklung oder nur ein vorübergehender Modetrend? 

Social Learning (E-Learning 2.0)ist nach unserem Verständnis kompetenzorientiertes E-Learning mit Social Software. Es hilft Menschen, online zusammenzuarbeiten und Informationen zu teilen. [1]

Während im „klassischen“ E-Learning mit Web 1.0 die Wissensvermittlung und –verarbeitung im Vordergrund steht, hat kompetenzorientiertes E-Learning zum Ziel, die Fähigkeit zur selbstorganisierten und kreativen Problemlösung in der Praxis zu fördern. Die Trennung von Experten und Lernern wird aufgehoben, weil alle Beteiligten ihr Erfahrungswissen einbringen, Inhalte bewerten und sich mit unterschiedlichen Sichten und Anschauungen auseinandersetzen. Statt rückgekoppelter Monologe entsteht eine lebendige Kommunikation im Netzwerk, bei der das Wissen gemeinsam weiter entwickelt wird. Sowohl Lernbegleiter als auch Lernende pflegen eine wertende Selbstreflexion. Die Grundlage der Lernprozesses bildet nicht mehr allein das Wissen der Experten, sondern die wertende „Weisheit des Netzwerkes“.

Die Inhalte sind dabei eher dynamisch und wertend (z.B. in Wikis) oder meinungsorientiert (z.B. in Blogs), aber auch tendenziell kleiner und überschaubarer („microcontents“). Social Software ist durch Offenheit gegenüber Veränderungen und Wertungen der Lerner geprägt, laufende Veränderungen sind ein wesentliches Merkmal. Dadurch entwickelt sich das „Netzwerk-Gedächtnis“ aus dem Erfahrungswissen der Lerner.

Da Kompetenzentwicklung auf der Selbstorganisation der Lerner gründet, eignet sich Social Software in idealer Weise, diese Lernprozesse zu ermöglichen. Weil die meisten Lerner über viele Jahre oder Jahrzehnte durch „klassische“ Lernsystem geprägt wurden, wäre es aber naiv zu glauben, dass die Bereitstellung von Social Software zu einem intensiven Austausch von Erfahrungswissen führen würde. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass wir die Lerner in ihrer gewachsenen Lernkultur abholen müssen. Bewährt haben sich hierbei Kombinationen aus Blended Learning für die Wissensvermittlung und –verarbeitung mit praxis-/projektorientiertem Lernen, bei dem die Lerner ihr Erfahrungswissen über Blogs oder Wikis mit ihren Lernpartnern austauschen und weiter entwickeln. Wir beobachten hierbei immer wieder, dass am Anfang die Konzentration der Lerner vor allem auf das formelle Lernen, z.B. mit Web Based Trainings gerichtet ist, während die zu bearbeitenden realen Projekte in der Kommunikation eher eine untergeordnete Rolle spiele. Im Laufe der Lernprozesse verändern sich jedoch die Gewichte grundlegend, das Web Based Training wird zunehmend als Hintergrundwissen gezielt genutzt, während die Lösung der praktischen Problemstellungen immer mehr in den Vordergrund rückt.

Damit bildet Social Learning eine wesentliche Basis für die Kompetenzentwicklung im Netz, die zukünftig die Lernprozesse prägen wird.


[1] Kerres, M. (2012), S. 166 ff.

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