Lernen duch Kollaboration

Während sich der Begriff der Kollaboration im historischen Kontext auf die Zusammenarbeit mit einem Besatzungsregime im Kriege bezieht, beschreibt er heute im Rahmen der betrieblichen Kompetenzentwicklung eine Lernform, die zunehmende Bedeutung gewinnt.

Mitarbeiter und Führungskräfte lernen immer mehr  von- und miteinander. Und das macht sie nachweislich erfolgreicher. Denn es hilft, persönliche Netzwerke auszubauen, auf die man in schwierigen Situationen zurückgreifen kann und durch diese Unterstützung erfährt. Das gemeinsame Lernen, z. B. in Lerntandems oder über Learning Communities, unterstützt die Verbindlichkeit, fördert die kritische Reflexion und baut Beziehungen auf. Es gehört zum notwendigen Design eines Entwicklungsprozesses für Führungskompetenz, dass verschiedene Formen des kollaborativen Lernens ermöglicht werden. Darunter verstehen wir organisationsbezogenes Lernen, das  auf langfristige, gemeinsame  Lernprozesse sowie zusammen vereinbarte Ziele zielt.

Dieses Lernen erfolgt beim gemeinsamen Erarbeiten einer Lösung für eine Praxisaufgabe, der gemeinsamen Bearbeitung eines Projektes oder der gegenseitigen Reflexion und Bewertung. Im Rahmen des Co-Coaching werden die Führungskräfte befähigt, ihre Praxis als Mitarbeiter oder Führungskraft zu bewältigen. In Lerntandems und in kleinen Gruppen sollen sie sich im gegenseitigem Austausch, also kommunikativ und in der Form „kleiner Netze“, gegenseitig in ihrer Entwicklung als Führungskraft unterstützen. Kollegiale Beratung ist ein strukturiertes Beratungsgespräch, z.B.  in einer Gruppe von Führungskräften, in dem ein Teilnehmer von den übrigen Gruppenmitgliedern nach einem feststehenden Ablauf mit verteilten Rollen beraten wird. Jede Führungskraft wird damit zum Prozessberater ihrer Kollegen. Das Ziel ist, Lösungen für konkrete berufliche Schlüsselfragen zu finden. Kollegiale Beratung ist damit ein wesentliches Element der Kompetenzentwicklung.

Kollaboratives Lernen wird immer mehr im Rahmen von Social Learning ermöglicht.  Social Learning (E-Learning 2.0) ist nach unserem Verständnis kompetenzorientiertes E-Learning mit Social Software. Es hilft Menschen, online zusammenzuarbeiten und Informationen zu teilen.  Während im „klassischen“ E-Learning mit Web 1.0 der Wissensaufbau und die Qualifikation  im Vordergrund stehen, hat kompetenzorientiertes E-Learning zum Ziel, die Fähigkeit zur selbstorganisierten und kreativen Problemlösung in der Praxis zu fördern. Die Trennung von Experten und Lernern wird aufgehoben, weil alle beteiligten Führungskräfte ihr Erfahrungswissen einbringen, Inhalte bewerten und sich mit unterschiedlichen Sichten und Anschauungen auseinandersetzen. Statt rückgekoppelter Monologe entsteht eine lebendige Kommunikation im Netzwerk, bei der das Wissen gemeinsam weiter entwickelt wird. Sowohl Lernbegleiter als auch Lernende pflegen eine wertende Selbstreflexion.

Den Rahmen dafür bilden sogenannte Communities of Practice . Die Lerner wählen dabei selbst die Ziele, Inhalte, Strategien, Methoden und Kontrollmechanismen ihrer Lernprozesse und kommunizieren überwiegend über die Soziale Lernplattform miteinander.  Es entsteht damit eine informelle soziale Struktur, die von den Mitgliedern geprägt wird. Häufig werden dabei Web 2.0 Kommunikationsinstrumente genutzt, so dass soziale Lerngemeinschaften entstehen können. Communities of Practice entwickeln sich häufig auch aus Learning Communities, die nach Abschluss einer Qualifizierung durch die Teilnehmer selbst organisiert werden. Diese Übergänge können durch folgende Elemente gefördert werden:

  • Erfahrungsberichte, Best Practices….
  • Gemeinsame Bearbeitung von Erfahrungsberichten, z.B. aus Projekten,
  • gemeinsamer Aufbau und Weiterentwicklung eines Wissenspools mit Erfahrungswissen, Dokumenten, Links….
  • Erarbeitung von Arbeitshilfen, z.B. Checklisten.

Über diesen virtuellen Treffpunkt werden u.a. folgende Ziele erreicht:

  • Praxis- und Lernprobleme werden gemeinsam schnell und kompetent gelöst,
  • die Kompetenzentwicklung der Führungskräfte wird gezielt gefördert,
  • es entwickelt sich ein gemeinsamer Wissenspool aus „user generated Content“,
  • es entstehen innovative neue Lösungsansätze („best practices“),
  • das Netzwerk der Lerner entwickelt sich dynamisch weiter.

Im Rahmen von Lernarrangements mit Social Learning kann damit kollaboratives Lernen ermöglicht werden, das zunehmend im Prozess der Arbeit stattfindet (Workplace Learning).

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