Paradigmenwechsel in der Lern-Infrastruktur

Unser Weg zur Sozialen Lernplattform gestaltet sich sehr spannend, weil wir dabei sehr breit gefächerten Anfordrungen gerecht werden müssen.  Während wir auf der einen Seite immer gerne die Zukunft des Lernens modellieren, sind wir nämlich auch in sehr fortschrittlichen Unternehmen weiter mit hybriden Lernwelten konfrontiert. Dies bedeutet, dass wir neben „klassischen“ Seminaren, reinen E-Learning Angeboten zur Wissensvermittlung und  Blended Learning Arrangements auch kompetenzorientierte Entwicklungsmöglichkeiten und Social Learning Elemente umsetzen sollen. Neben standardisierten Lernzielen stehen dabei individuelle Kompetenzziele sowie zentral vorgegebene Lerninhalte und reale Herausforderungen in der Projekten und in der Praxis einander gegenüber. Formelles Lernen wird mit viel Aufwand, z.B. über Learning Management Systeme,  gefördert, während das weit wichtigere informelle Lernen, insbesondere auch im Netz,  häufig dem Zufall überlassen wird. Daran ändern auch Tools wie Blogs und Wikis nichts, die einfach mal ins Netz gestellt wurden.

Jane Hart hat auf ihrem Vortrag auf der Learning Technologies 2013 Conference in einer sehr klaren Weise  deutlich gemacht, dass wir eine Lern-Infrastruktur benötigen, die beide Bereiche des Lernens ermöglicht[1]:

  • Cooperative Learn: Formelles Lernen im Rahmen vorgegebener Lernziele und Inhalte mit verschiedenen Trainingsmethoden und Komunikation in einer Learning Community („Social Learning“).
  • Collaborative Work: Informelles Lernen am Arbeitsplatz („Workplace Learning“), indem mit Lernpartnern kollaborativ Problemstellungen aus der Praxis oder in Praxisprojekten im Netz bearbeitet werden und Austausch von Erfahrungswissen in Communities of Practice („Social Collaboration“)

Heutige Learning Management Systeme (LMS) sind fast ausschließlich auf formelles, fremdgesteuertes Lernen (in virtuellen Klassenräumen) in der Verantwortung eines Lehrenden (Tutors) ausgerichtet. Kollaboratives Arbeiten und Kompetenzentwicklung, informelles Lernen am Workplace, der selbstorganisierte Aufbau von Erfahrungswissen und die Kommunikation in sozialen Netzwerken wird kaum unterstützt. Aus dieser Erkenntnis heraus, die wir im Zuge unserer ausführlichen Marktrecherchen gewonnen haben, mussten auch wir unseren ursprünglich geplanten Weg, Moodle mit Tools wie Mahara oder Open Sessions zu erweitern, um eine Soziale Lernplattform zu erhalten, aufgeben. Moodle ist auch nach Aussage renommierter Provider nicht in der Lage, kollaborative Arbeitsprozesse und damit Kompetenzlernen im Netz aktiv zu unterstützen. Das gleiche gilt nach usnerer Erkenntnis auch für für ILIAS und Drupal.

Deshalb ist auch, wie bei den Lernkonzeptionen,  im Bereich der Lern-Infrastruktur ein Paradigmenwechsel notwendig. Konzeptionen der Kompetenzentwicklung und des Social Learning gehen davon aus, dass Lernprozesse im Prozess der Arbeit und des Führens am „Workplace“ und nicht mehr in zentral geplanten Maßnahmen, wie z.B. in Seminaren oder mittels E-Learning, initiiert werden. Deshalb ist es konsequent, auch die Lerninfrastruktur von diesem Ansatzpunkt her, aus dem Prozess kollaborativen Arbeitens heraus, zu entwickeln. Und dafür gibt es bereits heute Lösungen im Netz. So wird kollaboratives Arbeiten im Netz, z.B. in internationalen Projekten, mittels Groupware-Lösungen bereits erfolgreich ermöglicht. Wir haben uns deshalb für eine Open-Source Groupeware-Lösung als Basis für eine Soziale Kompetenzentwicklungs-Plattform entschieden, die wir um neu entwickelte Programmelemente für die Anforderungen an unsere hybriden Lernkonzeptionen erweitern, die sowohl Cooperative Learn als auch Collaborative Work im Netz umfassen. Damit bildet kollaboratives Arbeiten im Netz die Basis der Sozialen Lernplattform, formelles Lernen wird ergänzend möglich gemacht.

Soziale Kompetenzentwicklungs-Plattformen bilden damit eine Synthese zwischen offenen Kommunikations- und Lernräumen, ähnlich wie in Sozialen Netzwerken, und geschützten Lernumgebungen der Kurse. Im Kursraum sind die Lernmaterialien eingestellt, die Lerner erhalten Arbeitsaufträge und Lernmaterialien für selbstorganisierte Lernprozesse und können ihren Lernstatus einsehen. Daneben können sich die Lerner in sozialen Gruppen zu beliebigen Themen austauschen, so dass Communities wesentlich differenzierter abgebildet werden können. Über die Verknüpfung der Kommunikationsstränge aller sozialer Gruppen, denen ein Lerner angehört, sowohl innerhalb als auch ausserhalb der Kompetenzentwicklungs-Plattform, wird sofort deutlich, welche Neuigkeiten vorliegen und wo der Lerner reagieren kann oder sollte. Kompetenzentwicklung im Netz wird ermöglicht.

Kollaboratives Arbeiten im Netz, und damit Kompetenzentwicklung im Netz, stellt erheblich umfangreichere Anforderungen an die Lern-Infrastruktur, als dies in Learning Management Systemen für reines E-Learning umgesetzt ist. Die soziale Lern-Infrastruktur muss die anspruchsvolle Aufgabe erfüllen, die vielfältigen Steuerungs-, Kommunikations- und Dokumentationsfunktionen, die für diese Lernprozesse erforderlich sind, möglichst intuitiv nutzbar und bedienbar zur Verfügung zu stellen. Hierzu gehören insbesondere Elemente des Dokumentenmanagements, des Kompetenzmanagements und der Kompetenzdiagnostik, des Social Learning, der Kommunikation in Communities of Practice und erfahrungsorientiertes Wissensmanagement der Teilnehmer.

In sozialen Kompetenzentwicklungs-Plattformen werden Lernpartner miteinander vernetzt. Damit stehen die Aktivitäten der Mitarbeiter und Führungskräfte und ihre Interaktion im Vordergrund und nicht Dokumente und Lernmaterialien. Die soziale Kompetenzentwicklungs-Plattform bildet somit den personalisierten und dynamischen Zugang zum eigenen Arbeits- und Lernbereich im Netz. Lernen wird am Arbeitsplatz in Verantwortung der Lerner selbstorganisiert ermöglicht.


[1] Hart, Jane (2013): 12 steps to successful social learning, abgerufen unter http://c4lpt.co.uk/janes-articles-and-presentations/10-steps-to-successful-social-learning/

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