Kompetenz für Krisenmanager

Wir haben alle die Bilder von Amokläufen, Großbränden oder schweren Unfällen im Kopf. Die Kompetenzentwicklung der professionellen Helfer, wie Psychologen, Ärzte, Rettungsdienste, Polizei oder Feuerwehrleute, die dort eingesetzt werden, ist eine besondere Herausforderung, weil die Handlungen dieser Zielgruppen in extremen Stresssituationen und in Teams, deren Handlungen perfekt aufeinander abgestimmt sein müssen, erfolgen.

Am 1. Juli 2013 haben wir mit einem neuen Projekt  „PSYco-Social Support in CRISis Management“, kurz „PsyCris“ begonnen, in dem wir ein Lernsystem zum Aufbau der Praxiskompetenzen für das Krisenmanagement, die Stresskontrolle und soziale Unterstützung von professionellen Helfern in Krisensituationen entwickeln und umsetzen werden. In diesem EU-geförderten Projekt, das eine Laufzeit von 36 Monaten hat,  arbeiten wir mit einem Konsortium unter Leitung des Departements Psychologie der Ludwig Maximilian Universität in München und weiteren Universitäten, Forschungszentren, öffentlichen Einrichtungen, kleinen und mittleren Unternehmen sowie Interessensgruppen und Endnutzerorganisationen aus Deutschland, Spanien, Israel, Litauen, Luxemburg und Österreich zusammen.

Unser Ziel in diesem Projekt ist, professionelles Handeln in Krisensituationen, auch im interkulturellen Kontext,  zu ermöglichen. Dies setzt zwingend den Aufbau von Kompetenzen voraus, Wissensvermittlung und Qualifizierung sind lediglich die notwendige Voraussetzung. Deshalb werden wir in einem gemeinsamen Prozess mit den Projektpartnern ein Lernarrangement erarbeiten, das insbesondere Elemente des Blended Learning, des Workplace Learning und des Social Learning beinhaltet. Eine zentrale Rolle wird das Erfahrungslernen in Krisensituationen spielen. Deshalb werden Reflexionen, der Austausch und die gemeinsame Weiterentwicklung von Erfahrungswissen sowie das Lernen im Netz die individuellen Prozesse des Kompetenzaufbaus prägen.

Unsere ersten grundlegenden Überlegungen umfassen insbesondere folgende Elemente der Lernkonzeption:

  • Ermöglichungsdidaktik: Selbstorganisierte Lernprozesse mit Lernpartnern, im Team und im Netz in Verbindung mit Coaching und Co-Coaching.
  • Kollaborativer Arbeits- und Lernraum (Soziale Lernplattform), in dem die Krisenmanager Problemlösungen im Team und im Netz entwickeln und damit ihre Kompetenzen aufbauen,
  • Communities of Practice zum Austausch und zur kollaborativen Weiterentwicklung von Erfahrungswissen,
  • Blogs, um Erfahrungswissen aus Projekt- und Lerntagebüchern gemeinsam zu bewerten und weiter zu entwickeln,
  • Wikis, um Erfahrungswissen kollaborativ zu bewerten und weiter zu entwickeln
  • Co-Authoring, d.h.Entwicklung von Lernlösungen, z.B. mit Rapid E-Learning, Podcasts, Webcasts, Artikeln u.a. durch die Krisenmanager,
  • kompetenzbasierten Wissensmanagement, mit dem die Krisenmanager im Laufe der Zeit bottom-up über Activity Streams, Dokumentenmanagement, Blogs, Wikis oder  Communities of Practice einen Schatz an Erfahrungswissen und ein Netzwerk an Experten aufbauen.

Auch in Unternehmen müssen Mitarbeiter und Führungskräfte unter Stress Hochleistungen erbringen. Wir gehen deshalb davon aus, dass wir in diesem Projekt im Rahmen von extrem  herausfordernden Situationen Erfahrungen sammeln werden, die wir auch in unsere Kompetenzentwicklungsprojekte in Unternehmen übertragen können. Wir sind auf jeden Fall sehr gespannt und freuen uns auf dieses Projekt.

P.S. Noch eine Anmerkung in eigener Sache. Dies ist mein Blog Nr. 100. Ich empfinde das Schreiben dieser Blogs  zwischenzeitlich als ein Ritual , das ich nicht mehr missen möchte, weil es mich „zwingt“, mir über aktuelle Themen und Entwicklungen  Gedanken zu machen. Deshalb danke ich meinen Lesern für ihre Treue und Geduld.

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