Methoden- und Medienkompetenz für innovative Lernlösungen

Die Einführung innovativer Lernkonzepte wird häufig auch mit dem Argument blockiert, den Mitarbeitern und Führungskräften fehle die notwendige Methoden- und Medienkompetenz. Oftmals reduzieren diese Kritiker ihr „Argument“ auf die mangelnde Übung der Zielgruppen im Umgang mit IT-Lösungen. Dabei umfasst die Methoden- und Medienkompetenz  neben diesem Aspekt eine Vielzahl weiterer Aspekte. Deshalb ist es wichtig, diese Anforderung systematisch zu analysieren.

Die Methoden- und Medienkompetenz der Lerner ist eine notwendige Voraussetzung selbstorganisierter Lernprozesse. Dabei geht es um einen Perspektivenwechsel, in dem die Lerner im Lernprozess immer mehr in den Mittelpunkt rücken. Diese Konzeption geht davon aus, dass Lernende für ihren eigenen Lernprozess selbst verantwortlich sind und diesen aktiv steuern.

Wir gehen in unseren Projekten von folgenden Annahmen für das selbstgesteuerte Lernen aus:[1]

  • Alle Mitarbeiter und Führungskräfte sind grundsätzlich in der Lage, selbstorganisiert und durch eigene Entscheidung zu lernen,
  • Lehrpersonen wandeln sich zu Lernbegleitern, die Lernprozesse ermöglichen und moderieren, während der direkte Wissensaufbau nicht mehr zu ihren Aufgaben gehört,
  • der Wissensaufbau liegt fast ausschließlich in der Verantwortung der Lerner, die diesen Lernprozess mit Hilfe von E-Learning-Angeboten und im Austausch mit Lernpartnern und Experten selbstorganisiert gestalten,
  • die Kompetenzentwicklung wird durch die Lerner von der Zielformulierung über die Planung bis zur Erfolgsmessung selbstorganisiert in einem  methodisch geeigneten Ermöglichungsrahmen gestaltet.

In diesem Ermöglichungsrahmen werden im Rahmen von Blended Learning und Social Learning Ansätzen von den Lernern Methoden und Medien eingesetzt, die individuelle und kollaborative Lernprozesse initiieren und unterstützen. Daraus leiten sich die Anforderungen an die Methoden- und Medienkompetenz der Mitarbeiter und Führungskräfte ab.

Der Begriff der Medienkompetenz hat seinen Ursprung in den 1970er Jahren und gewann seit Einführung digitaler Bildungsmedien ab etwa 1990 eine größere Verbreitung. Zunächst konzentrierten sich die Überlegungen vor allem im akademischen Bereich auf die Lehrenden, insbesondere deren Wissen und Fähigkeiten für den Einsatz digitaler Medien zur Gestaltung der Lehre, später auch der Forschung und Anwendung sowie der akademischen Selbstverwaltung. Reinmann schlug dann vor, den Fokus stärker auf die Studierenden in den Bereichen des Wissensaufbaus, des wissenschaftlichen Arbeitens im weitesten Sinne und der Organisation des Studiums zu legen.[2]

In der betrieblichen Bildung steht naturgemäß vor allem die Bewältigung der Herausforderungen in der Praxis im Vordergrund. Die Eingrenzung der Medienkompetenz auf eine „E-Kompetenz“ ist nach unserer Sicht zu sehr auf das Medium und zu wenig auf den Lernprozess eingeschränkt. Deshalb erweitern wir den Begriff der Medienkompetenz um die Methodenkompetenz:

Methoden- und Medienkompetenz ist die Fähigkeit der Lerner, mit geeigneten Methoden und Medien innerhalb des betrieblichen Ermöglichungsrahmens ihre Arbeits- und Lernprozesse selbstorganisiert zu planen und zu steuern.

Technische Fertigkeiten, um die Instrumente aus der Lern-Infrastruktur, z.B. Arbeits- und Kommunikationstools in sozialen Lernplattformen, Web Based Trainings oder Kompetenzmesssysteme, zu nutzen, sind eine notwendige Voraussetzung, aber nicht mehr. Da die Bedienung der Lerninstrumente immer mehr selbsterklärend wird und die Lerner zunehmend im Betrieb und auch privat mit IT-gestützten Lösungen agieren, hat dieser Aspekt eine deutlich abnehmende Bedeutung.

Umso wichtiger ist ein Verständnis für die Möglichkeiten zur zielorientierten Gestaltung der individuellen Arbeits- und Lernprozesse, die Fähigkeit problemlösend mit Lernpartnern und Experten zu arbeiten, zu lernen und zu kommunizieren oder zu recherchieren, Informationen zu bewerten, zu strukturieren oder darzustellen, eigenes Erfahrungswissen aufzubereiten und mit anderen kritisch-reflexiv auszutauschen sowie die Bereitschaft, sich aktiv in das Netzwerk der Lerner einzubringen.

In kompetenzorientierten Lernprozessen benötigen die Lerner deshalb eine Methoden- und Medienkompetenz, die wir auf Basis des grundlegenden Kompetenzmodelles von Erpenbeck und Heyse wir folgt beschreiben:[3]

Methoden- und Medienkompetenz

Personale   Kompetenz Setzen ihr Charisma und  und ihre Vorbildfunktion mit hohen Ansprüchen an sich selbst, aber auch an andere ein. Dabei zeigen sie ein starkes Maß an Loyalität und streben nach Gerechtigkeit. Damit fördern sie die notwendige Lernkultur.
Sozial- kommunikative   Kompetenz Zeigen ein feines Gespür für Meinungen, Bedürfnisse und Gefühle anderer, organisieren die kooperative und kollaborative Zusammenarbeit, auch mit  innovativen Medien, vermitteln bei Konflikten und lösen Probleme kreativ und humorvoll im Netz.
Aktivitätsbezogene   Kompetenz Initiieren aktiv Lern- und Kommunikationsprozesse und übernehmen   Verantwortung für ihre selbstorganisierten, individuellen und kollaborativen   Lernprozesse. Sie agieren dynamisch sowie risikobereit und können ihren Willen auf andere übertragen.
Fachlich-methodische  Kompetenz Nutzen das aufgebaute Methoden- und Medienwissen analytisch, zielorientiert, verlässlich, umsichtig und selbstorganisiert in individuellen und kollaborativen Lern- und Kommunikationsprozessen.

Diese Kompetenzen können nicht in Seminaren, per E-Learning oder mittels Broschüren vermittelt werden, da sie die Verinnerlichung (Interiorisation) von Werten voraussetzen. Die Lerner können diese Kompetenzen nur in ihren eigenen Lernprozessen – quasi nebenher  – schrittweise und selbstorganisiert im Austausch mit Lernpartnern und Experten aufbauen. Deshalb glauben wir auch nicht, dass Seminare zur Lernmethodik und zu Neuen Medien ohne Verknüpfung zum Lernen im Prozess der Arbeit  wirklich effektiv sind. Wir sehen vielmehr die Methoden- und Medienkompetenz als wichtigen, integrierten Bestandteil von innovativen Lernkonzeptionen.


[1] vgl. Arnold, R.,Gómez Tutor, C., Kammerer, J. (2001)

[2] vgl. Reinman, G., Hartung, s.  Florian, A. (2013)

[3] vgl. Erpenbeck, J.; Sauter, W. (2013)

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