Der Faktor Empathie

Das gemeinsame Buch mit John Erpenbeck zum Lernen in der Zukunft endete mit den Worten: Ohne Gefühl geht gar nichts. Deshalb hat mich das Buch von Marie R. Miyashiro: „Der Faktor Empathie – Ein Wettbewerbsvorteil für Teams und Organisationen“ ( Junfermann Verlag Paderborn 2013) neugierig gemacht.

Die Autorin plädiert in Ihrem Werk dafür, den Ansatz der Gewaltfreien Kommunikation auf die Arbeitswelt zu übertragen. Sie fügt diesem interpersonalen Modell einen Bezugsrahmen für Teams und Organisationen hinzu, den sie Integrated Clarity nennt. Damit soll den Bedürfnissen der Unternehmen Rechnung getragen werden, ohne die Bedürfnisse der Beschäftigten zu übergehen. Deshalb sieht sie praktizierte Empathie als einen wichtigen Wettbewerbsvorteil an. Empathie wird hierbei als Technik verstanden, die im Arbeitsalltag entwickelt und praktiziert werden kann. Sie fordert ein mitfühlendes, emphatisches Arbeitsumfeld, um den Weg zu größerer Produktivität und damit auch zu einer höheren Wirtschaftlichkeit der Unternehmen zu ebnen.

Das Konzept der Gewaltfreien Kommunikation ist eine Methode, die auf friedliche Weise an die Wurzeln der Gewalt und des Schmerzes geht. Wenn Organisationen diesen Ansatz in ihre Strukturen und ihr Führungshandeln integrieren, bewirkt er eine Kulturveränderung. Mithilfe der Gewaltfreien Kommunikation sollen grundlegende menschliche Bedürfnisse erkannt werden, so dass eine gemeinsame Grundlage für zufriedenstellende Beziehungen geschafft werden kann. Die Autorin versucht zunächst, ein Verständnis von Empathie und bedürfnisorientiertem Bewusstsein aufzubauen. Empathie definiert sie dabei als die Fähigkeit, wahrzunehmen, zu spüren, nachzuempfinden, was jemand anders gerade durchlebt. Sie skizziert das Konzept der emotionalen Intelligenz und postuliert mit Hinweis auf einige Studien weiter, dass erfolgreiche Unternehmen sich durch Führungskräfte auszeichnen, die sich ihrer selbst bewusst sind und bestimmte Eigenschaften besitzen, die es ihnen ermöglichen, sich mit anderen zu verbinden. In ihrer Argumentation beruft sie sich weitgehend auf ihre eigenen, häufig nicht belegten Erfahrungen oder Eindrücke, die ihr von Kollegen vermittelt wurden.

Das Werk macht mit seinem Titel und der Ankündigung, den Ansatz der Gewaltfreien Kommunikation zur Optimierung von Geschäftsprozessen zu nutzen, neugierig. Leider bin ich am Schluss relativ ratlos zurück geblieben, weil ich zwar durchaus für die Bedeutung der Empathie sensibilisiert worden bin, jedoch nur bedingt Hinweise zur konkreten Umsetzung in der Praxis einer Organisation erhalten habe. Das Werk stützt sich auf wenige belegte Handlungsansätze, wie die Gewaltfreie Kommunikation oder das Konzept der emotionalen Intelligenz, ist aber durch eine Vielzahl von eigenen Erlebnissen und Geschichten überfrachtet. Sicherlich ist es zu begrüßen, wenn Inhalte durch reale Beispiele illustriert werden. Alleine die Menge der Beispiele, die teilweise auch recht banal wirken, ermüdet den Leser. Deshalb hätte ich mir eine deutlich strukturiertere Vorgehensweise gewünscht. Hinzu kommt, dass der gesamte Erfahrungsschatz der Autorin aus amerikanisch geprägten Unternehmen zu stammen scheint. Inwieweit Erfahrungen in dieser Kultur auf deutsche Unternehmen übertragen werden können, wird leider nicht untersucht. Das Werk wirkt wie eine Zusammenführung vielfältiger Erfahrungen und Erlebnisse der Autorin mit viel Sendungsbewusstsein und dem Wunsch, ihre Konzeption der Integrated Clarity zu verbreiten, ohne dass die formulierten Ziele des Buches immer konsequent verfolgt werden. Schade, das Thema hätte es verdient, fundierter behandelt zu werden.

 

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