Vom Trainer zur agilen Bildungsallianz

 

Nach wie vor werden Trainer massenweise in den Unternehmen nachgefragt. Wie lange wird das noch so bleiben, wenn sich zunehmend werte- und kompetenzorientierte Lernarrangements durchsetzen, die auf selbstorganisierten, personalisierten Entwicklungsprozessen der Mitarbeiter bei der Bewältigung von realen Herausforderungen im Arbeitsprozess basieren?

Gute Trainer werden sicher noch lange ihre Betätigung finden, da die Beharrungskräfte besonders im Bildungsbereich sehr hoch sind, selbst wenn sich Bildungslösungen als völlig ineffizient erwiesen haben. Ich bin jedoch davon überzeugt, dass sich neben diesem tradierten Bildungs-Marktsegment ein grundlegend neues Marktfeld der betrieblichen und beruflichen Bildung bildet, in dem die Rolle des Trainers keinen Platz mehr hat. Viele Trainer werden deshalb ihr Geschäftsfeld als Einzelkämpfer und ihre Rolle grundlegend verändern müssen, wenn sie auch zukünftig Nachfrage finden wollen.

Überbetriebliche Bildungsanbieter bzw. die bisherige Personalentwicklung in Organisationen mit ihrer Konzentration auf formelles Lernen wandeln sich im Zuge der Digitalisierung der Lebens- und Arbeitswelt zum Werte- und Kompetenzmanagement, das selbstorganisierte, personalisierte Entwicklungsprozesse der Menschen ermöglicht. Die wesentliche Aufgabe des Werte- und Kompetenzmanagements besteht deshalb darin, aus der Organisationsstrategie und dem Werterahmen einen Ermöglichungsrahmen zu entwickeln und laufend zu optimieren, der individuelle Werte- und Kompetenzentwicklungsprozesse im Prozess der Arbeit ermöglicht. Damit können die Lerner ihre didaktisch-methodische Entwicklungsplanung und ihre personalisierten Lernprozesse in eigener Verantwortung umsetzen.

Daraus leiten sich völlig neue Anforderungen an die betrieblichen und beruflichen Lernsysteme und damit an die zukünftigen Learning Professionals ab, die sie alleine gar nicht mehr erfüllen können:

  • Das Menschenbild der Lerner basiert i auf selbstorganisierten und eigenverantwortlich handelnden Menschen, die unabhängig, offen, eigenverantwortlich und kollaborativ mit Würde, Respekt, Achtung, Toleranz und Akzeptanz auf Augenhöhe handeln.
  • Das Ziel der Bildung sind in erster Linie Werte und Kompetenzen. Kompetenzen sehen wir dabei als die Fähigkeit an, aktuelle und zukünftige Herausforderungen selbstorganisiert und kreativ bewältigen zu können, Werte sind Handlungsanker, welche die menschliche Selbstorganisation der Lerner bestimmen oder zumindest stark beeinflussen. Wissen und Qualifikationen bilden dafür die notwendige Voraussetzung, die „on-demand“ zur Verfügung gestellt werden.
  • Die Lernkonzeption basiert auf einem konstruktivistisch, konnektivistischen Ansatz aus, nach dem die Lernmöglichkeiten, wie sie digitale Netze eröffnen, mit den prinzipiellen neurobiologisch angelegten Lernfähigkeiten, wie sie ein menschliches Gehirn seit Jahrtausenden bietet, unvermeidlich aufeinanderprallen und dass dies erst durch das individuelle, gruppenmäßige, emotional-geistige und kulturelle Zusammenwirken der Menschen in Lernprozessen, überbrückt werden kann.
  • Die didaktische Gestaltung des Lernens orientiert sich an einer Ermöglichungsdidaktik, die selbstorganisiertes Lernen ermöglicht. Wissensaufbau, Qualifizierung sowie Werte- und Kompetenzentwicklung werden in die Eigenverantwortung der Lerner gelegt. Die Lernsysteme werden sich den Lernern anpassen und nicht umgekehrt, wie es heute der Fall ist.
  • Die Learning Professionals gestalten für Ihre Unternehmenskunden einen dynamischen Ermöglichungsrahmen, der es den Lernern ermöglicht, ihre Zukunftskompetenzen für eine sich laufend wandelnde Arbeitswelt und Gesellschaft, die durch Digitalisierung und Vernetzung geprägt ist, selbstorganisiert aufzubauen. Dieser Lernrahmen wird deshalb als Spiegelbild dieser dynamischen Rahmenbedingungen aus dem Fokus der Lerner entwickelt und passt sich an die Bedürfnisse der Lerner an. Er bildet dabei die Basis für innovative Lernarrangements, vom E-Learning, über Blended Learning und Social Learning bis zum Social Workplace Learning, bildet.
  • Die Learning Professionals ermöglichen damit die personalisierte Entwicklung der zukünftig notwendigen Werte und Kompetenzen sowie den bedarfsgerechten Wissensaufbau und die Qualifikation „on-demand“, entsprechend ihrer individuellen Herausforderungen.

Die Learning Professionals verknüpfen damit professionelles Werte- und Kompetenzmanagement für Unternehmenskunden, um die berufliche Handlungsfähigkeit der Beschäftigten und ihrer Führungskräfte heute und in der Zukunft zu sichern.

Der Ermöglichungsrahmen umfasst grundsätzlich folgende intuitiv bedienbare Instrumente:

  • E-Portfolio und weitere Dokumentationsmöglichkeiten
  • Tools zur individuellen Lernplanung, vom Kalender über Projektplanungs-Tools bis hin zur persönlichen Lernempfehlung
  • Den fachlichen-methodischen Content zum selbstorganisierten Lernen, vom formellen Wissen bis zum Erfahrungswissen (kompetenzorientiertes Wissensmanagement)
  • Kuratierungs-Tools, die jedem Lerner genau das zur Verfügung stellen, was er für die Bewältigung seiner Herausforderungen in der Praxis benötigt.,
  • Kommunikations- und Kollaborationsinstrumente, vom Forum bis zum Sozialen Netz,
  • Messsysteme, vom Wissenstest bis zur Werte- und Kompetenzmessung

Dies kann ein einzelner Learning Professionals nicht bewältigen. Deshalb werden die einzelkämpfenden Trainer zunehmend ersetzt durch Allianzen aus Learning Professionals, Gestaltern von Sozialen Kompetenzentwicklungs-Plattformen, Software-Entwicklern für die Planung personalisierter Lernprozesse, Anbietern von Kuratierungs-Tools und vielfältigen Anbietern von kompetenzorientierten Lernprogrammen und Videos, die ihren Unternehmenskunden ganzheitliche Lösungen bieten.

Auch innerbetriebliche Veränderungsprozesse im Bildungsbereich werden sich entsprechend entwickeln, indem solche Teams, quasi als Start-up im Unternehmen, gebildet werden, die neue Bildungslösungen mit agilen Methoden im Team gestalten.

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